- Bericht des Vorsitzenden Mike Hilberg
Nach der letzten kommunalpolitischen Informationsveranstaltung
der UMB am 11.03.2004 hatte Frau Meinelt mich in einem Artikel
der Moosburger Zeitung aufgefordert, meine Vorwürfe bezüglich
ihrer Informationspolitik innerhalb einer Woche schriftlich zu
konkretisieren. Mein Schreiben, in dem ich die weitere Diskussionsform,
ob öffentlich oder nicht öffentlich der Frau Bürgermeisterin
überlassen habe, ist bis heute unbeantwortet geblieben.
Der Vorwurf, die Bürgermeisterin habe spät, falsch oder gar nicht
informiert, bezog sich damals nicht nur auf das Thema Raumnot an
Moosburger Schulen. Zu dem von ihr favorisierten Anbau an die
Hauptschule und den sich daraus ergebenden Folgemaßnahmen liegen
bis heute noch keine brauchbaren Kalkulationen vor. Diese fehlen
gleichfalls zu der alternativen Möglichkeit eines Neubaus in dem
seit langem vorgesehenen weiteren Schulzentrum an der Georg-
Schweiger-Straße, die von UMB-Stadtrat Köhler schon bei einem
früheren Gespräch mit ihr und den Fraktionsvorsitzenden zur
Diskussion gestellt wurde. Diese Thematik stand bis zum damaligen
Zeitpunkt noch nicht einmal auf der Tagesordnung des Stadtrats.
Die Aussagen bezogen sich auch auf das Baugebiet 'Alte
Thalbacher Straße I', wo trotz seit August 2003 im Rathaus
vorliegender Planunterlagen über die Berücksichtigung privater
Ausgleichsflächen eines Grundstückeigentümers die zwischenzeitliche
Einstellung der Bauleitplanung mit der Begründung erfolgt war, der
Eigentümer käme mit immer neuen, nicht abgesprochenen Forderungen
hinsichtlich der Anerkennung von Ausgleichsflächen, obwohl für diese
Vereinbarung sogar die in Abstimmung mit dem Landratsamt Freising
geänderte Ausfertigung der Zeichnungen für den Bebauungsplan dem
Rathaus vorlag. Die Existenz dieses Schreibens, das der UMB vorliegt,
wurde dem Stadtrat bei seiner Entscheidung vorenthalten.
Der Vorwurf der UMB bezieht sich auch auf die fehlende
Information der Moosburger Bürger durch das Rathaus bezüglich
einer Gesetzesänderung zum Betrieb von Kleinkläranlagen, wie
Sickergruben amtsdeutsch heißen. Hier wurde nämlich eine vierte,
so genannte Biostufe vorgeschrieben, für deren Bau die Betroffenen
bei rechtzeitiger Information, wie es in anderen Gemeinden
erfolgt ist, Fördermittel beantragen können. Der Zug
ist mittlerweile abgefahren, der Topf ist erschöpft, sogar die
noch nicht erfolgten Auszahlungen sind gefährdet. Mittlerweile
wissen auch die Bürger durch eine Beilage der Moosburger Zeitung vom
19.06.04, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Der Vorwurf bezieht sich auch auf die Darstellung, dass es sich
bei der jüngst an die Isarkies GmbH veräußerten Fläche um Ödland und
nicht um einen Uferstreifen mit Wasserfläche gehandelt hat.
Er bezieht sich ebenso darauf, dass der Stadtplatz laut Darstellung
der Bürgermeisterin dem Staat gehört und nicht der Stadt Moosburg,
obwohl ein Blick in das Grundbuch diesen Fehler aufgeklärt hätte.
Wenn dann Birgit Deutinger für die Richtigstellung im Stadtrat
von einem Verwaltungsangestellten persönlich angegriffen wird,
und dieser sich mit einer schriftlichen, aber den Sachverhalt
verfehlenden, Darstellung um die geforderte Richtigstellung
drückt, darf dies von der Rathausleitung zur Wahrung des
Respekts gegenüber dem Stadtrat in der Öffentlichkeit nicht
gestützt werden.
Der Vorwurf bezieht sich auch auf die Aussage der angeblich vorhandenen
Privilegierung des Bauvorhabens Hofmeister, er bezieht sich auf
den Vorwurf, dass die Internas bei der Ausschreibung des Festwirts
aus der Mitte des Stadtrats an die Presse weiter gegeben wurden
und die Verwaltung als undichte Stelle vehement ausgeschlossen wurde.
Was eigentlich von keinem Stadtrat hinzunehmen sein dürfte, ist
die Tatsache, dass ein Beschluss nicht nur missachtet, sondern
sogar ins Gegenteil verkehrt wurde. So geschehen bei der provisorischen
Schikane in der Stadtwaldstraße, die von der Stadtverwaltung
entgegen dem Beschluss des Bauausschusses beauftragt wurde.
Gleiches gilt für eine Zusage an die VHS bezüglich des Umfangs der
Nutzung des Kindergartenprovisoriums, entgegen der im
Bauausschuss vereinbarten weiteren Vorgehensweise.
Diese Auflistung lässt sich noch fortsetzen, z.B. Polizei in der Poststraße.
Wir wünschen uns zu Gunsten einer wirkungsvollen Stadtratsarbeit
eine transparente, frühzeitige und umfassende Informationspolitik.
Die Frau Bürgermeisterin sagt, dass sie die Forderung der UMB nach
einer Nachfolgelastenregelung bei neuen Baugebieten nicht
mehr hören könne. Angesichts der Moosburger Haushaltssituation,
den Überlegungen bzgl. weiterer Kürzungen bei freiwilligen
sozialen Leistungen (Vereinsförderung, Schwimmbad, Stadtbücherei, ...)
und den zur Planung anstehenden Baugebieten, sehen wir uns
aber gezwungen auf das Fehlen einer solchen Regelung energisch
hinzuweisen. Unstrittig ist, dass es solche Regelungen gibt und
dass zahlreiche Gemeinden entsprechend verfahren, um
den Haushalt bzgl. der kommunalen Lasten durch Zuzug zu entlasten.
Diese Forderung wird von der UMB nun im dritten Jahr in Folge
aufgestellt. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum hier
für Moosburg noch kein Entwurf vorgelegt werden konnte. Da eine
solche Regelung vor der Erstellung eines Bebauungsplans existieren
muss, um angewandt werden zu können, besteht akuter Handlungsbedarf,
wenn sie nicht zu spät kommen soll. Wenn die Verwaltung sich da
schwer tut, würde ein Anruf in einer der Nachbargemeinden die
Sache evtl. wirkungsvoll beschleunigen. Die UMB stellt sich da
gerne zur Verfügung, um wie im letzten Jahr die Unterlagen von
der Stadt München zu besorgen, was der Bauamtsleitung nicht
gelungen war.
Desweiteren gibt es eine ganze Reihe von Themen, die aktuell in der
Schwebe sind und Weichen für die Zukunft Moosburgs stellen. Dazu gehören
- die Reduzierung des Hochwasserrisikos durch die Isar
- die Erschliessung neuer Baugebiete
- das von allen geforderte Modell für Bauland für Einheimische
- die Raumnot an allen Moosburger Schulen
- eine Nachfolgelastenregelung zur sozial verträglichen Gestaltung des Einwohnerzuwachses
- die Realisierung der Westumfahrung und
- der BayWa-Unterführung.
Hier ist eine gesamtheitliche Betrachtung unumgänglich, will sich Moosburg nicht Chancen
verbauen. Diese Themen wie bisher unabhängig voneinander zu behandeln ist
für eine mittel- bis langfristig angelegte Entwicklung Moosburgs wirtschaftlich
nicht sinnvoll.
- Bericht der Stadträte Birgit Deutinger und Erwin Köhler
Den von beiden Stadträten erarbeiteten Bericht hat Erwin Köhler vorgetragen.
Die Einschätzung zum neuen Stil im Stadtrat, der von uns anfangs
als konsequentes Vorgehen positiv aufgenommen wurde, muss nach
nunmehr zwei Jahren revidiert werden. Die Entscheidungen in den
Gremien des Stadtrats werden inzwischen zunehmend durch Meinungsvorgabe
in Pressekonferenzen, Partei-Versammlungen, Treffen mit Fraktionssprechern
und Interessengruppen statt gemeinschaftlicher Meinungsbildung
vorbestimmt. Jüngste Beispiele dazu sind das Raumkonzept für die
VHS, die Maßnahmen gegen die Raumnot an den Schulen und die Verlagerung
der Polizei in die Poststraße, wo es ohne jede Stadtratsbehandlung
schon konkrete Vorstellungen seitens des Innenministeriums gibt.
Hinzu kommt, dass der Teamgeist im Stadtrat durch den Anspruch der
CSU, die 'bestimmende Kraft' zu sein deutlich leidet. Dazu zitiert
Erwin Köhler aus einem seiner Meinung nach treffenden Kommentar in der
Moosburger Zeitung vom 16. Juni, in Anlehnung an die aktuell
stattfindende Fussball-Europameisterschaft die Worte die 'Teamchefin
hatte zu tun, Ruhe ins Spiel zu bringen', 'Trainingslager und Klausur
empfohlen' mit der Bitte an die Rathauschefin dies nachzulesen, eventuell
sogar öfter. Dies sind gute Ratschläge einer guten Freundin der
Bürgermeisterin, die auch Erwin Köhler sehr begrüßt. Die 'Meisterschaft
fürs Gemeinwohl' muss gemeinsames Ziel sein. Und um Missverständnissen
gleich entgegen zu treten, ergänzt er, 'zur Mannschaft gehört auch
die Teamchefin bzw. Trainerin, sie führt das Team zum Erfolg, aber
der Teamgeist ist z. Zt. gestört und er möchte die bei Profimannschaften
üblichen Konsequenzen gerne vermeiden'.
Beim Einheimischenmodell liegt bezüglich der Vergabekriterien
mittlerweile ein guter Entwurf vor, der den antragsberechtigten Personenkreis
das Punktesystem für die Rangfolge und weitere Bestimmungen sehr gut
regelt. Lediglich das Losverfahren für die Vergabe der Parzellen halten
wir für untauglich und sogar überflüssig. Noch nicht festgelegt sind
der Quadratmeter-Preis und die verfügbaren Parzellen. Hier sollte
weniger das Baugebiet 'Alte Thalbacher Straße II' herangezogen werden,
weil die Stadt hier Einnahmen für Nachfolgelasten erwirtschaften könne,
sondern stärker das Baugebiet 'Alte Thalbacher Straße I', wo es bereits
diesbezügliche Verpflichtungen gibt. Auch die Amperauen sind in weiterer
Zukunft mit miteinzubeziehen.
Die Stadt hat aber bereits eine Parzelle, die sich hervorragend für das
Einheimischenmodell anbietet. Die Stadt hat in den letzten Wochen das
624 qm große Flurstück 'Am Grünweg Nr. 8' per Inserat angeboten, aber
zu wenige Interessenten erreicht, weil vollkommen unverständlich nur
überregional inseriert wurde. Eine Anzeige im Lokalteil der Moosburger
Zeitung wird von Erwin Köhler schmerzlich vermisst. Das Höchstgebot liegt
daher weit unter Wert, sogar unter einem vorstellbaren Preis für das
Einheimischenmodell. Übermorgen steht die Vergabe auf der Tagesordnung
der nichtöffentlichen Stadtratssitzung. Die UMB wird daher die Anträge
stellen, noch mal anzubieten, und zwar in den Regionalteilen und das
Grundstück ins Einheimischenmodell einzubeziehen. Zumindest sollte der
Bieter dem Kreis der Berechtigten angehören.
Beim Thema Bürgerbegehren der Grundstückseigentümer des Bebauungsgebiets
'Alte Thalbacher Straße I' möchte Köhler auf Stil und Ton nicht näher
eingehen. Bezüglich der Forderung einer zügigen Erschließung der
Baugebiete 'Alte Thalbacher Straße I' und 'An den Amperauen' sind wohl
die nötigen Unterschriften erreicht worden und die Regierung von Oberbayern
wird demnächst eine Stellungnahme über die Zulässigkeit eines Bürgerentscheides
abgeben, der man sich dann auch anschließen sollte. Dass es soweit kommen
musste, ist eigentlich schade, da sich dieses Bürgerbegehren mit den eigentlichen Zielen
der Stadtratsmehrheit deckt und man sich die Durchführungskosten ersparen
könnte. Falls doch ein Bürgerentscheid nötig wird, möchte er die Alternativen
des Stadtrats, die gar nicht soweit entfernt sind, mit zur Abstimmung vorlegen
und der Sache damit den Wind aus den Segeln nehmen.
Bei den Bürgerbegehren Eisstadion und Zehentstadel will Erwin Köhler erst
die weitere Entwicklung abwarten. Die Ergebnisse der Unterschriftensammlung
hierzu und über Kontakte mit möglichen Investoren für ein neues Eisstadion
stehen noch aus.
Zum Dauerthema Attraktivität der Innenstadt wartete Köhler mit der
unpopulären Forderung das Feierabendhaus abzureißen auf. Wenn die Stadt
die geschätzten 450.000 Euro zum Erhalt der Bausubstanz (Nutzbarmachung noch
nicht inbegriffen) nicht aufbringen könne und eine Renovierung nicht mehr
vertretbar ist, dann sollte die Verwaltung in der Lage sein eine
Abbruchgenehmigung herbeizuführen.
Er vermisst nach der schon vor einiger Zeit gutachterlich festgestellten
Schädigung des Gebäudes durch den Sparkassenneubau Informationen zum weiteren
Vorgehen bei den Schadensersatzforderungen.
Sehr enttäuscht zeigte sich Köhler von der Verwaltung. Zu den Gesprächen
mit den übergeordneten Behörden über eine von der UMB geforderten Querungshilfe
für Fußgänger am Stadtplatz wurde man entgegen mehrfacher, auch schriftlicher
Zusagen nicht beteiligt. Zuletzt war die Forderung vom Straßenbauamt wegen
der zu erwartenden Kosten abgelehnt worden, obwohl nie die Rede davon war,
dass das Straßenbauamt die Kosten übernehmen sollte. Selbstverständlich sei
dies Sache der Stadt Moosburg, so Köhler.
Beim ehemaligen Eisenlager Heilingbrunner in der Poststraße, bei dem die
Stadt vor drei Jahren von ihrem Vorkaufsrecht gebraucht gemacht hatte, fordert
er die Gebäude endlich abzureißen. Zum einen ist das Vorkaufsrecht an Bedingungen
geknüpft, die die Stadt erfüllen muss, um nicht Gefahr zu laufen, dass der
Vorbesitzer oder Käufer fordern kann, den Kauf wieder rückgängig zu machen. Zum anderen
hatte der Verkäufer sich vertraglich verpflichtet, sich an den Abriss- und
Entsorgungskosten, einschließlich eventueller Altlasten, zu 50% zu beteiligen.
Dies sollte man sich sichern. Danach könnte man dort für die aus Westen kommenden
Besucher Moosburgs vorrübergehend innenstadtnahe Parkplätze schaffen, bis das
Gelände für die weitere Entwicklung der Innenstadt benötigt werde.
Zu guter Letzt kam er noch auf ein größeres Bauvorhaben im Baugebiet Jägerstraße
/ Wiesenstraße zu sprechen. Hier zeigte er sich über den Antragsteller verärgert,
der in vielen Monaten wiederholter Anträge keine wirklich verbesserte Planung
vorgelegt hat und offensichtlich davon ausgeht, die Stadt würde dies nicht merken
und irgendwann doch genehmigen. In der neuesten Vorlage sind nur Bereiche an
den beiden Straßen unbedeutend verändert (statt 4 Reihenhäusern 2 X 2 Doppelhäuser).
Der Mittelbereich ist nicht mehr dargestellt, um von den ursprünglich insgesamt
20 Häusern (Reihen-/Doppel- u. Einzelhäuser) auf 11 Einheiten zu reduzieren,
wobei diese Vorgehensweise schon erahnen lässt, dass die 9 Einheiten im
Innenbereich dann zu einem späteren Zeitpunkt getrennt beantragt werden und
damit doch erreicht werden
sollen. Die Situation an den beiden Straßen ist nicht akzeptabel, auch was die
Stellplätze angeht. Ein Spielplatz fehlt vollkommen, hier wird vollkommen
unrealistisch und unverschämt eine Verbindungsstraße als Spielstrasse
deklariert. Hier sind offensichtlich nur mittels eines Bebauungsplans
die Vorstellungen der Stadt erreichbar und die Planungshoheit sicherzustellen.
- Bericht des Schatzmeisters und der Rechnungsprüfer
Nach dem Bericht des Schatzmeisters und der Rechnungsprüfer wurde der
Schatzmeister einstimmig entlastet.
- Diskussion
Die Diskussion wurde zum Thema Innenstadtentwicklung äußerst heftig geführt.
Franz Erl führte einige Beispiele an, mit denen er verdeutlichen wollte, daß
nicht nur die Stadt bei der Verbesserung der Attraktivität der Innenstadt
gefordert ist. Insbesondere bemängelte er mangelndes Sortiment, die
Mittagsöffnungszeiten und die fast vollkommen fehlende Kundenorientierung
mancher Fachgeschäfte. Allein die Verärgerung über die Behandlung treibt ihn
immer öfter nach Freising oder Landshut. Als positives Gegenbeispiel nannte
er z.B. die Fa. Häring beim Feuerwehrhaus.
Heftig diskutiert wurde ebenso der von Mike Hilberg geforderte Blick über den
Tellerrand. Einigkeit bestand darin, daß die wenig vorrausschauende Stadtratsarbeit
Ursache für die Stagnation Moosburgs im Vergleich zu Freising oder Erding ist.
Völlig unverständlich war allen, daß der Schulstandort Neustadt ausgebaut
werden soll und damit die Probleme noch verstärkt werden.